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Calcium und Vitamin D bei Wachstumsschmerzen

Vor wenigen Tagen klagte ein 15j√§hriger sportlicher Patient¬†√ľber Schmerzen in der Leistengegend. Es fand sich keine Verletzung in der Anamnese und die k√∂rperliche Untersuchung war v√∂llig unauff√§llig. Bei genauerem ¬†Nachfragen berichtete er, dass er im letzten Monat 1 cm gewachsen sei. Dies f√ľhrte zum Verdacht von Wachstumsschmerzen. Nach AK-Austestung¬†erhielt er Calcium und Vitamin D und war nach 2 Tagen schmerzfrei.

Das Metabolische Syndrom (oder spielen Sie auch schon das ‚ÄěT√∂dliche Quartett‚Äú?)

Das metabolische Syndrom ist eine Kombination aus vier Krankheitszuständen:

  • ¬†√úbergewicht ‚Äď v. a. im Bauchbereich
  • Bluthochdruck
  • Krankhaft erh√∂hte Blutfette ‚Äď v. a. Cholesterin
  • Beginnende Blutzuckerkrankheit.

Dieses t√∂dliche Quartett f√ľhrt h√§ufig zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Demenz und Krebs.

Ursache dieser Gesundheitsst√∂rung ist zunehmendes √úbergewicht, verbunden mit mangelnder k√∂rperlicher Bewegung. Man k√∂nnte auch sagen, dass viele von uns an einer ‚ÄěEnergievergiftung‚Äú leiden ‚Äď zuviel Essen zu wenig Bewegung!

Um das √úbel an der Wurzel zu packen, erh√§lt man oft folgende lapidare Empfehlung: ‚ÄěNehmen Sie ab!‚Äú ‚Äď dann werden die Ungl√ľcklichen entlassen – kein Wunder, dass sich nichts √§ndert.

Dabei sollte vermittelt werden, dass eine Gewichtsreduktion eine √Ąnderung des Lebensrhythmus beinhalten muss, d. h. eine √Ąnderung des Lebensstils auf Dauer. Dies ist eines der schwierigsten Dinge, die man von einem Patienten verlangen kann und das funktioniert NUR, wenn folgende Dinge beachtet werden:

  • ¬†Die Seele muss im Gleichgewicht sein!
  • Der Wunsch/das Ziel muss aufrechterhalten werden!
  • Der Plan zur Gewichtsreduktion MUSS¬† individuell angepasst sein!
  • M√∂gliche Fallstricke m√ľssen benannt werden.
  • Welche Hilfen stehen dem Patient zur Verf√ľgung?

Um das Unm√∂gliche m√∂glich zu machen, muss der Patient geschult und unterst√ľtzt werden. Das erfordert Einf√ľhlungsverm√∂gen und Verst√§ndnis.

M√∂ge das Kunstst√ľck gelingen.

Borreliose – Deutscher Internistenkongress 2010

Am beeindruckensten war der Vortrag von PD Dr. Dieter Hassler √ľber das Thema Borreliose. Er stellte in knapp 30 Minuten das Thema √ľbersichtlich und verst√§ndlich dar. Kollege Hassler ist Landarzt in Kraichtal in der BRD und forscht auf dem Gebiet der Borreliose. Er hat sein Dorf mit ca. 3900 Einwohnern gescreent, √ľber zwanzig Jahre alle Einwohner nachverfolgt und erfolgreich therapiert. Sein Dorf ist de facto ohne Borreliosekranken. ¬†Ich berichte von seinen Erkenntnissen.

  • Die Borreliose ist eine Infektionserkrankung die ausschliesslich durch Zecken √ľbertragen wird.
  • Die Borreliose heilt NIE spontan aus.
  • Die Borreliose verl√§uft in Stadien (Erythema migrans = Wanderr√∂te, Ausbreitung im Blut, Chronisches Stadium).
  • Das Erythema migrans tritt fr√ľhestens 7 Tage nach Zeckenbefall auf. Alles davor ist eine lokale entz√ľndliche Reaktion.
  • Die Therapie¬†erfolgt durch Antibiotika.

Das h√§ufigste Problem, das Patienten verunsichert, ist die chronische Form der Borreliose. Sie ist gekennzeichnet durchen einen positiver Laborbefund (Borrelien IgM negativ und Borrelien IgG positiv). Zum Nachweis einer Borreliose fehlt nun noch ein Immuno-Blot auf Borrelien-IgG. Wenn dieser positiv ist, ist eine Borreliose bewiesen, so Hassler. Therapiert soll erst werden, wenn Krankheitssymptome¬†(M√ľdigkeit, n√§chtliches Schwitzen, Gelenk- und Muskelschmerzen) auftreten, da die Borrelien zu diesem Zeitpunkt besser zu vernichten sind. Nach erfolgreicher Therapie schwinden die Symptome (√ľber Monate) und die IgG Antik√∂rper (√ľber Monate und Jahre).

Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Stadium der Borreliose und dem Patienten (Erwachsener, Kind, etwaige Allergien). Daher finden Sie hier keine Kochrezepte zur Behandlung, die nur in H√§nden eines Arztes liegen kann. Der Theapieerfolg bei chronischer Borreliose liegt – nach Kollegen Hassler – bei 80 % nach dem ersten Antibiotikazyklus, bei √ľber 90 % nach dem zweiten Zyklus. Selten ist ein dritter Zyklus n√∂tig.

Wichtig f√ľr Patienten, die einen Zecken auf der Haut finden: Den Zecken nicht mit den Fingern oder mit der Zeckenfasszange quetschen (Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit erh√∂ht, dass Borrelien in die Wunde gedr√ľckt werden.) Die Zecke sollte vorsichtig von der Haut abgehebelt werden. Dazu eignet sich gut ein spitzzulaufendes Skalpell (Nummer 11).

Literatur und Quellenangabe: Link

Das Herz und seine Erkrankungen: Grundlagen

Das Herz ist eine Erfolgsgeschichte der Evolution. Es arbeitet √ľber 100 Jahre lang und leistet Unglaubliches. Es schl√§gt in Ruhe¬†¬†60-70 Mal pro Minute und¬†pumpt Blut durch den menschlichen K√∂rper. Pro Minute¬†bef√∂rdert das Herz ¬†5 Liter Blut (pro Stunde 300 Liter, pro Tag 7.200 Liter). Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 85 Jahren sind das¬†enorme¬†220 Millionen Liter Blut.

Das Herz ¬†darf auch nicht stehen bleiben –¬†versiegt der Blutfluss zum Gehirn nur zehn Sekunden lang, wird der Mensch bewu√ütlos. Ausserdem mu√ü sich das Herz an Belastungen anpassen k√∂nnen und fallweise mehr Blut durch den K√∂rper pumpen. Zum Beispiel bei Sport, √Ąrger oder Kampfsituationen.

Damit alle Anforderungen erf√ľllt werden k√∂nnen, hat die Evolution das Herz ganz einfach entwickelt. Es hat eigentlich nur zwei Aufaben: Es mu√ü sich f√ľllen und auspumpen – f√ľllen – auspumpen – usw. Mehr tut es nicht – ein ganzes Leben lang.

Damit dieser grundlegende Kreislauf erf√ľllt werden kann braucht das Herz folgende Teile, die mit einem Motor gut vergleichbar sind:

  • Herzklappen = Ventile: Ihre Aufgabe ist das Blut in die korrekte Richtung zu leiten.
  • Koronararterien = Benzinversorgung: Diese¬†“Schl√§uche” versorgen das Herz selbst mit Blut, N√§hrstoffen und Sauerstoff.
  • Herzmuskel = Motor: Der Herzmuskel ist hohl. Er zieht sich zusammen und pumpt das Blut¬†in den Kreislauf, um sich¬†anschlie√üend wieder zu f√ľllen.
  • Herzrhythmus = Z√ľndung: Der Rhythmus ist der Taktgeber wie schnell das Herz schlagen soll und ist zust√§ndig, dass eine Synchronit√§t gegeben ist.
  • Pericard = H√ľlle: Das Pericard sch√ľtzt das Herz und senkt die Reibung, die sonst entstehen w√ľrde.

Im Lauf des Lebens k√∂nnen nun die einzelnen Teile des Herzens erkranken. Die Aufgabe des Arztes ist die entsprechende St√∂rung zu finden¬†und dem Patienten eine optimale¬†Therapie¬†der Erkrankung ¬†anzubieten.¬†Da jeder Mensch andere Ziele, Bed√ľrfnisse, W√ľnsche, √Ąngste und Lebensansichten hat und die Ausgangsbedingungen (Alter, Begleiterkrankungen, eingenommene Medikamente, etc.) unterschiedlich sind, k√∂nnen die angebotenen L√∂sungen nur individuell sein.

Rasilez – Eine neue Option f√ľr die Therapie des Blutdrucks

Seit einiger¬†Zeit ¬†gibt es auf dem weiten Markt der Pharmaindustrie ein neues Medikament f√ľr die Therapie des Blutdrucks.

Rasilez¬†¬†geh√∂rt in die Gruppe der Renin-Antagonisten und ist tats√§chlich eine Erg√§nzung der Therapieoptionen. Das Wirkprinzip ist schon viele Jahre bekannt, nur war es bis dato nicht m√∂glich vern√ľftige Arzneimittel zur Reninblockade herzustellen.

Mittlerweile habe ich selbst¬†Patienten auf dieses Medikament eingestellt und kann √ľber Erfahrungen berichten:

  • Eine Dame (ca. 65 Jahre alt) konnte mit s√§mtlichen anderen Medikamenten nicht eingestellt werden. Immer Blutdrucke jenseits von 180 mmHg systolisch. Nach Zusatz von Rasilez waren die Werte auf 90 mmHg syst. gesunken und die Frau war pr√§kollaptisch. Daraus l√§√üt sich die Wirksamkeit erkennen, aber auch die Vorsicht, die zu walten hat, wenn diese neue Substanz verwendet wird.
  • Ein Mann (ca. 35 Jahre alt) mit einer breiten Unvertr√§glichkeit von Medikamenten, bei allergischer Neigung, spricht gut auf Aliskiren an und vertr√§gt das Medikament bis zu 1×150 mg. Bei voller Dosis kommt es zum Anschwellen der Nasenschleimh√§ute (√§hnlich wie bei Heuschnupfen).

Meine Meinung: Ein wirksames Medikament, dass das Arsenal der Blutdruckmedikamente erweitert. Es muss mit dem Einsatz sorgsam umgegangen werden und v. a. m√ľssen noch Erfahrungen gesammelt werden. Insbesondere in der Vertr√§glichkeit und im Wechselspiel mit sonstigen begleitenden Medikamenten. Somit ist Rasilez f√ľr mich – derzeit – ein Zeit- bis Drittlinien Medikament in der medikament√∂sen Therapie des arteriellen Blutdrucks.

Zuletzt darf man nicht vergessen, dass man den Blutdruck auch ohne Medikamente senken kann:  Blogeintrag

√úbergewicht: Wenn man das tut, was man immer tut, hat man das, was man immer hat

Es gibt so viele Di√§ten und Ern√§hrungsvorschl√§ge um Gewicht zu reduzieren, da√ü man damit W√§nde tapezieren k√∂nnte. Die meisten Menschen, die nicht das Gl√ľck haben, ein ideales K√∂rpergewicht zu haben, k√∂nnen davon ein Lied singen.

Eine Diät ist eine spezielle Art der Ernährung, sie muss nicht immer mit Gewichtsreduktion zu tun haben. Spezielle Krankheiten erfordern spezielle Ernährungsformen. Z. B. wird bei Zöliakie eine Glutenfreie Kost empfohlen.

Aber mit Diäten wird viel Schindluder getrieben. Auch ich könnte mir ganz neue Diäten einfallen lassen: Schnitzeldiät oder Schokoladediät. Aber die Sinnhaftigkeit wäre zu hinterfragen.

Meist wird mit einer Di√§t eine Ern√§hrungsform gemeint, die zur Verminderung des K√∂rpergewichts dient. Viele Patienten haben, die eine oder andere Di√§t ausprobiert und Gewicht verloren, um dann wieder zuzunehmen und nach kurzer Zeit wieder¬†√§hnlich schwer oder sogar schwerer zu sein “Jo-Jo-Effekt“.

Letztendlich ist eine Di√§t eine Umstellung des Lebensstils¬†auf Zeit. W√§hrend dieser Umstellung verliert man Kilos und ist gl√ľcklich dar√ľber. Man vergisst aber, dass man nach Ende der Di√§t, wieder in den alten Lebensrhythmus verf√§llt und – nach unterschiedlich langer Zeit – wieder so ist wie man vor der Lebensstil√§nderung war.

Wenn man das tut, was man immer tut, hat man das, was man immer hat.
Zitat: unbekannt

Das heißt um Gewicht auf Dauer zu reduzieren benötigt man eine Lebensstiländerung auf Dauer. Erfahrungsgemäß nimmt ein Rhythmuswechsel 1-3 Jahre in Anspruch.

Ein konkretes Beispiel:
F√ľr eine Gewichtsreduktion von 10 kg empfehle ich sich ein Jahr Zeit zu nehmen. 10 Monate f√ľr die Gewichtsreduktion und zwei Monate um sich¬†nach R√ľckf√§llen in den alten Lebensrhythmus wieder neu zu motivieren.

Eine √Ąnderung des Lebenrhythmus ist so ziemlich das Schwierigste, das ein Arzt von seinem Patient verlangen kann.¬†Der Gewinn ist immens: Steigerung¬† des Selbstwertgef√ľhls, der Gesundheit, bessere Blutdruck-, Blutzucker- und Cholesterinwerte. M√∂ge das Kunstst√ľck gelingen.

Kann man den Blutdruck ohne Medikamente senken?

Bevor man den arteriellen Blutdruck therapieren will, muss folgendes erledigt werden: Zunächst muss die Diagnose gesichert und eventuelle zusätzliche Untersuchungen veranlasst werden.

Dann stellt sich die Frage der Therapie. Meist wird mit Medikamenten behandelt. Viele Patienten m√∂chten jedoch keine oder m√∂glichst wenige “Pulver” schlucken.

Tabletten

Gibt es Alternativen? Ja – Aber nicht jede Therapieform ist f√ľr jeden Patienten m√∂glich. Jede Therapie oder Therapie√§nderung muss mit¬†dem Arzt besprochen werden.

Um Abzuschätzen wie gross das Einsparungspotential ist, dient folgender Anhalt: ein Antihypertensivum kann den Blutdruck etwa um 10-20 mmHg senken.

Nicht-medikamentöse Therapieformen sind Eingriffe in den Lebensstil:

minus  5-20 mmHg: Gewichtsreduktion von 10 kg
minus 8-14 mmHg: Ern√§hrungsform (Obst, Salat, Gem√ľse, Fisch,¬†wenig Fett, wenig ges√§ttigte Fetts√§uren)
minus 4-9 mmHg: Sport (30 min pro Tag)
minus 2-8 mmHg: weniger Salz (weniger 5-6 g/Tag)
minus 2-4 mmHg: Reduktion eines erhöhtes Alkoholkonsums  (1-2/8 pro Tag)
Quelle: Journal f√ľr Hypertonie; 11(1), 7-11, pdf

Jede Therapie hat aber einen Preis. Die nicht-medikament√∂sen Therapieformen setzen eine sehr hohe Disziplin voraus und wirken nicht sofort. Oft m√ľssen als √úberbr√ľckung blutdrucksenkende Medikamente verabreicht werden.

Der Lohn f√ľr die Lebensstil√§nderungen ist, dass Medikamente abgesetzt werden k√∂nnen.¬† Erfahrungsgem√§√ü ist es f√ľr √ľbergewichtige Patienten am leichtesten den Blutdruck durch¬†Lebensstil√§nderung zu senken.

Bild: pills von rodrigo senna, flickr